Meine Beziehung zu den USA

  • Ich habe hier mal einen Text rein kopiert, den ich woanders erstellt habe - vielleicht gefällt Euch die Geschichte:


    Meine Beziehung zu den USA


    Als Kind hatte ich kein großes Interesse an den USA - Coca Cola habe ich nur ein Mal probiert, es schmeckte abscheulich …


    Da wir in der Französisch Besetzten Zone wohnten war meine erste Fremdsprache am Gymnasium natürlich Französisch und als zweite Sprache “musste” ich Latein wählen - ich war ja der Klassen-Primus. Englisch war mir also völlig fremd und es gab großes Gelächter seitens der Klassenkameraden als wir Schillers “Maria Stuart” lasen und ich irgendwie den Namen “Leicester” aussprechen wollte - hatte ja keine Ahnung.


    Das änderte sich erst, als ich begann mich für Rock-Musik zu interessieren. Mein Vater kaufte ein neues Radio und ich bekam sein altes - mit UKW, da konnte ich den US-Soldatensender AFN empfangen, Böblingen war ja nicht weit weg. Ich ärgerte mich natürlich, dass ich nichts verstand und meldete mich für Englisch als dritte Fremdsprache an, das waren aber nur zwei Wochenstunden, also es ging sehr langsam voran.


    Als ich dann die Science Fiction entdeckte, war es um mich geschehen. Erst las ich alles utopische in der Stadtbibliothek und bei meiner Tante in der Buchhandlung (in Deutsch) - Geld zum Bücherkauf war ja nicht vorhanden. Dann fand ich heraus, dass vom Amerikahaus in Tübingen regelmäßig Bücher an die Stadtbibliothek geliefert wurden - irgendwie waren da auch immer ein paar Krimis und SF dabei.


    Als ich dann nach dem Abi zum Mathematik- und Physik-Studium an die Uni kam, gab es viel mehr Möglichkeiten:
    Englische und US-Krimis im Original waren ziemlich billig, man konnte sogar Taschenbücher in USA bestellen bei meinem Lieblingsbuchhändler. Es dauerte zwar ein paar Wochen, aber bei einem Preis von 35 oder 50 Cent war das nicht so teuer.


    So wurde mein Englisch immer besser, ich konnte sogar Mathe-Bücher und Artikel gut lesen, die Studentenkinos brachten klassische englische Filme im Original und die Amerikahäuser in Stuttgart und Tübingen hatten auch viel Stoff: Bücher und jede Menge Fachzeitschriften.


    In den Ferien musste ich meine Finanzen natürlich mit Ferienarbeit aufbessern, zuerst beim Daimler und dann sagte mir ein Studienfreund, dass IBM auch Werkstudenten suchte. Bei der obligatorischen Prüfung habe ich wohl so gut abgeschnitten, dass ich gleich als “Consultant” zu Kunden geschickt wurde, wo alte Lochkarten-Experten mit der englischsprachigen Literatur für die damals neuen IBM Computer kämpften - da waren meine Sprachkenntnisse sehr nützlich. Eine Firma wollte mich gleich behalten, aber ich wollte natürlich erst mein Studium abschließen.


    Dann kam der nächste große Schritt - ein Studienfreund und ich bekamen ein Stipendium für einen 4-wöchigen Englischkurs in den Sommerferien in Canterbury. Das war toll, ausnahmsweise auch gutes Wetter und wir lernten im Kurs zwei deutsche Mädchen kennen, denen wir zuerst nach London und dann noch eine Woche nach Brighton folgten. Meinen Vater habe ich antelefoniert, damit er mir per Post noch etwas Geld geschickt hat, sonst wäre das nicht gegangen.
    Wir waren da übrigens sehr konsequent:


    Auch wenn wir unter uns waren - der erste, der ein deutsches Wort im Gespräch verwendete, musste abends im Pub ein Bier ausgeben …


    Ende der 60er Jahre habe ich dann mein Studium etwas “schleifen” lassen zugunsten von Politik und Rock-Musik bis ich im Sommer 1969 beim Organisieren eines Konzertes vom Assistenten meines Diplom-Vaters angesprochen wurde:


    Wir gehen jetzt im Herbst alle in die USA, also wenn Sie Ihre Diplomprüfung noch machen wollen, müssen Sie sich beeilen …
    Zum Glück hatte ich die Diplomarbeit schon abgegeben, also hieß es zwei Wochen lernen und dann stand ich mit der Note “sehr gut” als frisch gebackener Diplom-Mathematiker da - alleine …
    Der Professor hatte mir noch einen Job als Hilfsassistent vermittelt, aber da gab es genau 444 Mark und 43 Pfennige netto - zu viel zum Sterben aber zuwenig zum Leben! Ich überlegte mir nun, mich bei IBM zu bewerben und als ich das bei Kartenspielen in der Kneipe einem Kumpel erzählte, meinte er: Komm doch zu uns, unsere Unternehmensberatung hat viele Diplom-Kaufleute aber keine Mathematiker und zu wenig Computer-Experten …


    Wie ich dann akzeptiert wurde - das ist eine andere Geschichte … Jetzt geht es etwas schneller.


    Damals waren die Chancen als Consultant enorm, ich kam bald zu einem bekannten Kreditinstitut, wo ich wohl bei den Managern einen sehr guten Eindruck gemacht habe - die holten mich oft und befragten mich zu allen möglichen Problemen. Der Chef der “Elektronischen Datenverarbeitung” rief mich eines Tages im Jahre 1984 zu sich und erzählte, dass er mit einer Gruppe von seinen drei Unterabteilungsleitern zu IBM nach USA zu einer Informationsreise eingeladen sei - ob ich nicht mitkommen wolle …


    Da ich mir vorstellen konnte, wie teuer so etwas ist, zögerte ich mit der Antwort und er erklärte: Das wäre natürlich eine bezahlte Dienstreise für Sie - wir brauchen noch jemand mit sehr guten Englisch- und Computer-Kenntnissen, der als ein angemessener Gesprächspartner für die IBM-Leute auftreten kann …
    Zwei Wochen quer durch die USA folgten. Da dieser Typ Reise noch zwei mal wiederholt wurde weiß ich nicht mehr genau, welche Orte wir bei der ersten Reise besucht haben, aber es könnte etwa so gewesen sein:


    NYC mit Besuch bei einer der großen Banken in Manhattan und von dort nach Poughkeepsie zum IBM Hauptquartier, dann zu einer Fabrik im Staate NY.


    Weiter nach SFO, ins Silikon Valley zur Software-Entwicklung und noch ein Abstecher nach San Diego.


    Rückflug an die Ostküste/Florida: in Boca Raton wurde mit den Leuten von der IBM-PC-Entwicklung diskutiert. Von dort nach Washington zur Weltbank und zum Abschluss nochmals NYC (Das Hotel am Times Square mit der Riesenglashalle und dem gläsernen Aufzug - sehr beeindruckend). Die anderen flogen nach Hause während ich noch ein paar Tage dran hängte - bei einem LH-Business Class Ticket ja kein Problem, auch die Verlängerung im Hotel zum IBM-Zimmerpreis war recht günstig …
    Einen erheblichen Teil dieser zeit verbrachte ich mit dem Einkauf von SF-Büchern im Forbidden Planet - ein dafür gekaufter und gefüllter zweiter Koffer war ja im Ticketpreis auch enthalten.


    Ach ja:


    Der Transfer von und nach Manhattan erfolgte per Hubschrauber - das war im Ticket inbegriffen …


    PS:


    Bei einer dieser Reisen hatten wir großes “Pech”: Wir sollten am Donnerstag von SFO nach LAX fliegen und am Montag weiter an die Ostküste -aber wegen eines kleineren Erdbebens war der Flughafen LAX gesperrt - der nächste erreichbare war dann Las Vegas, was wir mit einem Van ansteuerten (über Yosemite und Death Valley …). Normalerweise darf LAS natürlich nicht auf so einer Geschäftsreise angesteuert werden, es sei denn es findet gerade ein Kongress statt.

  • Erst mal danke für die vielen Dankesschreiben! :bussi:


    Also mach ich weiter:


    Meine Familie war immer “Mittelmeer-orientiert”, für die Kinder (und später Enkelkinder …), Geschwister und Schwiegerleute, Neffen und Nichten kaufte ich einen alten Wohnwagen und stellte ihn auf einen Campingplatz in Istrien - dort verbrachten wir oft Ostern, Pfingsten, Sommer und manchmal noch ein paar schöne Tage Ende September/Anfang Oktober - ich flog privat noch ein paar Mal nach New York …
    Immer wenn ich als Teilzeit-Arbeiter eine Woche frei hatte, schaute ich im Ltur-Reisebüro nach günstigen Flügen und Hotels und machte so die typischen Erfahrungen:


    - Das Paramount (bevor es zu einem Luxus-Schuppen renoviert wurde), etwas abgewohnt …
    - Skyline Hotel (sehr schön in Hell’s Kitchen gelegen) mit indoor Swimming Pool im 10.Stock …
    - Best Western Präsident - wurde gerade renoviert, war etwas laut, aber was solls …


    Manhattan ist ja so toll, so vieles zu sehen - nach des Tages Arbeit sitzt man in einer Bar in Greenwich Village und schaut den Leuten zu.


    Da ich jedes Mal auch reichlich Bücher im Forbidden Planet kaufte, lernte ich über die Leute dort auch einige Geheimtipps kennen wie z. B. das Corner Bistro in Greenwich Village. Den Leuten aus dem Laden konnte ich schon ein paar Pints spendieren - schließlich bekam ich als Stammkunde auch Rabatt auf meine Bücher.


    Nachdem der Dollar weiter fiel konnte ich dann auch meine Frau zu einer längeren USA-Reise überreden - drei Wochen durch den Westen. Im Oktober 1989 war es soweit:


    Flug ab Düsseldorf (damals noch LTU) mit Rail&Fly war sehr günstig und ich konnte über die Firma auch ein schönes preiswertes Zimmer in D’dorf bestellen. Also nach Ankunft am Vortag des Fluges nach SFO schnell die Koffer ins Hotel und ab in die Altstadt …
    Wir tranken gerade (gegen 17 Uhr) unser erstes Alt, als die Bedienung den Fernseher einschaltete und was hörten wir:
    Aus San Francisco wird ein starkes Erdbeben gemeldet …
    Da hieß es cool bleiben!
    Am nächsten Morgen rechtzeitig mit der Ubahn zum Flughafen und die netten Leute von LTU buchten uns ohne Probleme auf die Maschine nach LA um, auch den Mietwagen für den Tag nach der Ankunft und ein Flughafenhotel mit Shuttle haben sie uns auch gleich reserviert, also alles bestens …
    Wir hatten jetzt natürlich nix weiter geplant und als wir am nächsten Morgen früh aufwachten, aus dem Zimmer den Smog sahen und im TV die endlosen Autokolonnen, die sich Richtung LA wälzten, war klar:


    Wir fahren in die Wüste!


    Den genauen Ablauf weiß ich nicht mehr aber die wichtigsten Stationen:
    Petrified Forest, Lake Havasu City - da war gerade deutsches Oktoberfest direkt am Wasser!
    Las Vegas im Aladdin Hotel - das wurde wenige Jahre später abgerissen
    Und natürlich GC, Death Valley und über Yosemite kamen wir dann Richtung Küste ins Nappa Valley.
    Ich meine es war dort im Motel:
    Ich hatte den TV im Zimmer eingeschaltet und ging nochmals zum Auto Gepäck holen, als meine Frau ganz aufgeregt rief: Die Mauer ist offen !
    Ich sagte: Das ist sicher ein Film (sie konnte kein/wenig Englisch) aber nein - es war der 9.11.89 …
    Also saßen wir vor dem TV und haben den “Mauerdurchfahrern” in ihren Trabis mit einer Büchse Coors (oder mehreren) zugeprostet …
    In San Francisco dann nicht nur einiges an eingestürzten Häusern - die Balken der Holzhäuser sahen aus wie überdimensionierte Streichhölzer kreuz und quer liegend …
    Viele Hotels/Motels hatten große Transparente: Yes we’re open - spezial rates!
    Nach ein paar Tagen in SFO (das übliche Programm: Cable Car, Chinatown und Bücher einkaufen …) ging es dann an der Küste entlang - die schönste (aber auch teuerste) Übernachtung irgendwo in Big Sur, ein Motel aus massivem Holz in traumhafter Lage, Terrasse mitten im Wald, Tiere vor dem großen Fenster. An eine Geschichte erinnere ich mich noch besonders: Vor dem Moteleingang sah ich einen Mülleimer wackeln - ich nahm den Deckel ab und heraus sprang ein kleiner Waschbär …


    Abschluss waren dann ein paar Nächte in Santa Monica in einem Motel mit Pool Nähe Beach - immer noch schönes Wetter.


    Im nächsten Teil kommen dann die Florida-Reisen, da gab es auch manchmal Überraschungen, nicht nur angenehme …

  • Florida, wir kommen!


    Nach dem Wilden Westen war dann Florida dran. Wir waren vorher regelmäßig im November/Dezember oder nach Weihnachten last minute etwa auf die Kanaren (oder mal im Oktober nach Zypern/Kreta) geflogen - ist auch heute noch ein guter Tipp:
    Gutes Wetter, wenig los vor/nach Weihnachten und entsprechend günstige Preise.


    So ähnlich ist ja die Situation in Florida auch - als ich mal zwei Wochen keinen Auftrag hatte hieß es ab ins Reisebüro (1991) und da gab es ein super Angebot für St Petersburg Beach, auf der Insel (Isola del Sol ?) Nähe de Soto Park:
    Flug, Mietwagen und zwei Wochen Apartment in der “Wanderer-Anlage” (die Apartments waren als Suer-Geldanlage an Deutsche verkauft worden, aber niemand hatte ihnen erzählt, dass es im Sommer so heiß wird - und erst die Mücken direkt am Wasser …) für ca 1500 DM pro Nase!
    Natürlich kein Flug nach TPA ab Stuttgart sondern FRA - kein Problem: Wieder über die Firma ein gutes Hotel in Frankfurt-Niederrad gebucht und gleich um die Ecke gibt es auch genügend Parkplätze - mit der S-Bahn war es nur eine Station.


    An Dreikönig nach Frankfurt, abends in einer Eckkneipe zusammen ein Bembel Äppelwoi und dann ab ins Bett - wir sollten ja früh fliegen. Im Terminalbereich dann große Unruhe - viel Leute mit DELTA-Uniform und dann der Schock:
    Schneesturm an der Ostküste - die Maschine die uns rüber bringen sollte, konnte gar nicht starten (kam entweder aus JFK oder Washington, egal …) - an dem Tage keine Chance mehr. Ein Anruf beim Reisebüro nicht weit weg von Frankfurt - sie würden nach Alternativen suchen - wir sollten nachmittags vorbeikommen. Zwei Angebote gab es dann für den nächsten Tag: Ein Flug an die Westküste oder ein Flug nach MIA - und dann 400 km fahren. Das hat sich außer mir nur noch ein Frankfurter Taxifahrer zugetraut …
    Es war dann schon dunkel, als wir ankamen und freudig von den anderen deutschen Gästen in der kleinen Bar der Anlage begrüßt wurden - es gab auch noch was zu essen, zubereitet vom Bar-Manager. Der hat übrigens später mit seiner Familie ein Restaurant am Segelboot-Liegeplatz direkt neben der Mautbrücke auf die Insel übernommen (die Fahrt Richtung de Soto Park kostete einen Quarter) - wir haben ihn dort mal besucht.


    Die zwei Wochen vergingen wie im Fluge - einige Ausflüge Richtung Clearwater und Tarpon Springs (der Ort der griechischen Schwammtaucher) und in die Everglades trugen dazu bei. Für meine Frau war es natürlich besonders praktisch, abends in der Bar mit den Deutschen Erfahrungen und Tipps auszutauschen.
    Als wir braungebrannt zurück nach D kamen, fragten uns die Leute:
    Wo wart Ihr denn ?
    Darauf meine Antwort:
    Am Strand von Sankt Petersburg - manche haben ganz schön blöd geglotzt, bis ich ihnen das erklärt hatte. Florida war halt nicht so bekannt ...


    Der nächste Trip war was ganz verrücktes!


    Ich bekam einen freundlichen Brief in Englisch - eine tolle Reise zu einem Spottpreis wurde mir angeboten:


    Ein paar Nächte Orlando
    Eine Nacht Ft Lauderdale
    Dann eine Schifffahrt auf die Bahamas und ein verlängertes Wochenende in einer kleinen Hotel- und Apartmentanlage mit Transfer, begleiteter Inselrundfahrt …
    Danach noch ein paar Nächte in Miami
    Flug und Mietwagen selber zu buchen - aber wie gesagt in der Nebensaison kein Problem


    Wie kam ich dazu: Wohl als Abonnent einer US-Computerzeitung - die wollten ihre Apartments verkaufen, dachten wohl: Wer das liest ist Computer-Manager und hat viel Geld übrig …


    Natürlich habe ich zugeschlagen, es war auch sehr schön - aber die Bahamas (ich meine es war in der Nähe von Freeport) waren extrem teuer! Ein Bier in der Bar 3.50 $ + Tip, Essen auch entsprechend ... Unsere Anlage war nur per Boot zu verlassen (kostete gleich ca 10 $ für zwei - oder mehr),mit einem Auto hätte man viele miles fahren müssen …


    Zum Glück hatten wir uns mit einem gut situierten Amerikaner angefreundet (der war mit seiner Frau gekommen um sich die Apartments anzuschauen und für Valentine’s Day Schmuck für sie zu kaufen - hat uns dann eine Kette gezeigt, die hätte statt 5000 $ auf den Bahamas in USA das doppelte gekostet …), der hat uns seine Wochenkarten für das Boot überlassen. So sind wir jeden Abend ins Städtchen, wo auf dem Hauptplatz Bands spielten, Limbo getanzt wurde und die Leute auf den Terrassen vor den Restaurants saßen.


    Da wir von Hamburger, Steaks und Sandwiches nichts mehr wissen wollten haben wir uns umgeschaut - und ein griechisches Restaurant entdeckt! Der Chef saß auf der Terrasse und schaute nur ab und zu nach seinen hübschen, flotten schwarzen Bedienungen - auch in der Küche arbeiteten nur schwarze Frauen …
    Die Reiseleiterin hat uns bei der Inselrundfahrt gleich erklärt, dass auf den Bahamas nur die Frauen arbeiten - die Männer sitzen nur faul rum!


    Es gab “Mixed Greek dishes” (Souvlaki, Gyros, gebratene Auberginen etc. mit Zatziki) und dazu original Demestika Wein - und es war perfekt gemacht - und nicht zu teuer! Wir verabschiedeten uns vom Chef später mit einem freundlichen “Kali Nichta” - der war vielleicht überrascht - und kamen jeden Abend wieder auf diesen tollen Platz …


    PS: Das Apartment haben wir natürlich nicht gekauft!


    Diesen Reisen folgten noch mehrere - die nächste war angesagt, als meine Frau einer Enkeltochter eine USA-Reise versprochen hatte, wenn si im ersten Englisch-Jahr im Gymnasium besonders gut abschneiden würde - natürlich hat das beflügelt und es gab zufällig in dem Jahr auch noch verlängerte Herbstferien, knapp zwei Wochen. Also ab nach Orlando!


    Ich hatte für die erste Nacht ein Flughafenhotel mit Shuttle gebucht, für den Rest der Woche ein Apartment im Bereich der “Disney Villas” : Schlafzimmer, Wohnzimmer und amerikanische Küche sogar mit Spülmaschine. Also am zweiten Abend nach dem Besuch von Disneyland ab in den nächsten Supermarkt, Essen und Getränke einkaufen. Das Mädchen war mit seinen 10 Jahren total überwältigt - so einen Riesen-Laden hatte sie noch nie gesehen, und diese Auswahl! Allein die Gefrierschränke mit Pizzas waren größer als ein Laden in Deutschland!


    Das tollste aber war. Es war in Disney, Epcot etc nichts los - keine Wartezeiten. So “durfte” ich z. B. den 3D-Film mit Michael Jackson drei mal anschauen - nach Filmende um die Ecke und gleich wieder rein …


    Irgendwann war es aber genug und wir fuhren noch zum Space Center und weiter nach Miami wo wir diesen tollen Urlaub beendeten - ach ja, eine Nacht in Key West war auch noch drin - da waren wir noch auf dem “alten”, kleinen Mallory Square mit dem Holzboden …


    Florida im Winter wurde so zur “Routine” etwa alle zwei Jahre - dazwischen flog ich immer wieder mal alleine nach New York (oder fuhr schnell nach London …) zum Bucheinkauf - meine Frau mochte die großen Städte nicht.


    PS:


    Falls Ihr Euch wundert, wie wir das finanziert haben - und auch woher die Zeit kam.
    Ich hatte als Computer-Experte einen Teilzeitvertrag (120 Schulungs- und Beratungstage im Jahr) - wenn z. B. eine Schulung kurzfristig abgesagt wurde, hatte ich frei … Meine Vorbereitung konnte ich auch am Strand von Maspalomas oder Miami machen …
    Meine Frau hatte im Krankenhaus eine halbe Stelle - immer die ersten oder letzten 10 Nächte eines Monats, das gab auch gutes Extrageld - uns war das egal ob wir Ostern oder Weihnachten arbeiten mussten. Außerdem haben wir relativ sparsam gelebt, kleines Auto etc. Ich war vermutlich der Einzige in der Firma, der bei km-Geld und Reisespesen etwas Überschuss hatte.

  • Weiter geht’s!


    Florida war in den 90er Jahren wirklich attraktiv - vom Wetter und den Preisen, auch meiner Frau gefiel es, so flogen wir all paar Jahre wieder hin - die günstigen Preise wirkten sich aber manchmal auf die Qualität aus …


    Einmal sah ich ganz kurzfristig ein Angebot für Miami ab Köln. Es war der letzte Flug der Transat (Canada) zum Saisonende irgendwann im November - danach wurden die Maschinen wohl zum Transport der Snowbirds von Canada nach Florida einesetzt …


    Rückflug war also für alle Passagiere irgendwo anders hin, für uns z. B. mit United über JFK nach Frankfurt - kein Problem, wir hatten ja Rail&Fly, aber andere Paxe hatten wohl die Unterlagen nicht richtig angeschaut und standen dann in Frau oder MUC - Auto war aber in Köln geparkt, dumm gelaufen …


    Der Flug selbst mit Zwischenlandung irgendwo in Canada war ob - aber als uns der Bus vor dem Hotel Monte Carlo (war meiner Erinnerung nach der Name) ablud, schwante mir Böses - das Hotel wurde gerade renoviert!


    Swimming Pool war geschlossen, Arbeiter mit Schubkarren in der Hotelhalle, ab und zu kein Wasser und den ganzen Tag Baulärm …


    Meine Frau war böse, Reiseleiter keiner zu erreichen, Hotelpersonal unfreundlich - da habe ich die Koffer ins Auto gepackt und eine Rundreise gestartet …
    Als wir nach ein paar Tagen zurückkamen, war es nicht viel besser, na ja. Nach der Reise habe ich dann (Rechtsschutzversicherung sei Dank) geklagt und von dem Gericht in Köln auch 750 DM pro Nase zurückbekommen (Hotel war also umsonst …) - gerade unter der Grenze für eine Berufung, wie mir der Rechtsanwalt erklärte.
    Wir haben dann nochmals eine Rundreise gemacht mit Schwerpunkt Gulf Coast, war sehr schön - Richtung Norden über Tarpon Springs bis Crystal Springs, vorbei noch an dem Kraftwerk welches mit seinem Kühlwasser die Manatees anlockt - sehr interessant.


    Key West, Everglades, St Augustine, Orlando etc waren auch noch dabei in einem späteren Jahr - da habe ich das erste Mal in Florida gefroren, es kam ein kleiner Kälteeinbruch verbunden mit viel Regen.
    Flaming on den Everglades war damals noch sehr attraktiv, auch die von Rangern geführten Bootsfahrten vor der Küste. In Miami waren wir in einem etwas abgewohnten, abe recht gemütlichen Motel mit vielen Deutschen und einem pensionierten US-General, der auch deutsch sprach und gerne mit uns an der Pool-Bar saß - er muss ein hohes Tier gewesen sein, sein Autokennzeichen war NYC1 oder so ähnlich …
    Ebenfalls an der Bar unterhielten wir uns mit zwei jüngeren Männern und waren ganz erstaunt als die an einem Morgen mit ihren Lufthansa-Uniformen an der Rezeption standen - sie waren auf stand by geflogen und wollten/mussten jetzt zurück, da sei die Chance in Uniform größer, noch mitgenommen zu werden …
    An diesem Tag hat es aber nicht geklappt (erst am nächsten) - so trafen wir uns nachmittags am Pool wieder …
    Ich habe damals auch für LH Schulungen gemacht und die Kursteilnehmer haben mir erklärt, dass sie auf stand by für 10 % des billigsten Tarifes mitfliegen durften - aber eben mit dem Risiko, mal nicht mitgenommen zu werden. Das war ganz witzig: In jeder Kurspause verschwand einer und suchte ein Terminal, wo er die aktuelle Flug-Auslastung abfragen konnte und damit die Chance, am Wochenende mal schnell nach Paris, Rom, NYC oder eben MIA zu fliegen - für eine Handvoll DM …


    Das alles war ja in der Zeit vor dem internet und meist ohne Vorbuchungen, also manchmal habe ich fast geschwitzt, wenn wir abends um 7 Uhr nur noch Schilder sahen “NO Vacancy” - aber geklappt hat es immer, auch wenn dann die Hotels etwas teurer wurden. Einmal mitten im Landesinneren haben wir in einem sehr schönen “Landhotel” im englischen Stil nach einem Zimmer gefragt, und ich hörte zum ersten Mal:


    You’re lucky - had you come half an hour earlier, we’d have been full!


    Entweder hatte also jemand kurzfristig abgesagt oder (wahrscheinlicher): Es bestand eine Reservierung bis 6 Uhr, und als die Leute nicht erschienen, wurde das Zimmer wieder frei gegeben …


    So wurde Florida fast zur Routine - bis meine Frau schwer erkrankte und irgendwann den langen Kampf gegen den Krebs verlor …


    Um mich darüber weg zu trösten nutzte ich noch stärker die Chancen der billigen Flüge - nach dem Attentat auf das World Trade Center brach ja der Tourismus Richtung USA ziemlich zusammen…


    Als mein Lieblings-Rockmusiker Steve Winwood eine Konzertserie in Texas ankündigte, war ein neues Ziel für mich klar: Eine Rundreise durch Texas mit Start in Houston. Space Center und Galveston waren die ersten Punkte, die ich ansteuerte, dann kam ein Konzert in Austin oben air auf dem gelände einer ehemaligen Farm - die Hütten der Sklaven konnte man noch besichtigen.


    Am nächsten Abend saß ich in einer der vielen Musikkneipen in der “Altstadt” von Austin und kam mit einer Gruppe Computer-Leute ins Gespräch. Da zückte einer seinen Blackberry (war damals noch was Besonderes …) und rief seinen Sohn an: Hi, Du planst doch Eure Hochzeitsreise nach Europa - ich habe hier einen Deutschen, der kann Dir sicher Tipps geben … Was muss man außer Neuschwanstein und München noch gesehen haben ?
    Weil der Düsseldorf als Start hatte und Verwandte in Basel habe ich ihm dann eine Schiffsreise auf dem Rhein empfohlen …
    Plötzlich schaute einer auf die Uhr und meinte zu mir: Drink up, you’re coming wich us to see something special! Wir brachen auf, den Hügel von Austin hinunter zum Fluß und dann sahen wir sie:
    Aus ihren “Liegeplätzen” unter der Brücke kamen etwa eine Million Fledermäuse und verdunkelten den Himmel - ein großartiges Schauspiel!


    Gruene und New Braunfels waren auch noch dran, Dalla ließ ich links liegen (kannte ich schon von meinen Geschäftsreisen) aber die “Cowboy Stadt” Ft Worth war noch dran, recht interessantes Cowboy- und Kutschen-Museum in den Stockades, wo im Sommer viel Show geboten ist
    .
    OT: Wusstet Ihr dass die Wörter Coach und Kutsche aus dem Ungarischen kommen ? In der Stadt Cocsi wurde dieser Typ Pferdewagen erfunden und der Name ging durch die Welt …


    Eine Übernachtung noch in Lufkin - von dort aus wird der Wald von Texas genutzt für die Papierproduktion. Ich wusste vorher auch nicht, dass es in Texas so ausgedehnte Nadelwälder gibt …


    Weil die Waldarbeiter wohl zu viel gesoffen haben, ist das seit etwa 100 Jahren ein “dry County” - Prost! Ich habe mich erst gewundert, dass es in dem kleinen Städtchen keine Bar gab …



    New York war fast jedes Jahr “dran”, aber auch Florida besuchte ich immer wieder gerne, zuletzt 2006 und das kam so:


    Fußball WM und Live Übertragung in allen Kneipen - ich bin kein Fußballfan und als die Deutschen wider Erwarten weiter kamen, schaute ich mich um und fand eine Reise nach Ft Myers ab Düsseldorf zu einem verlockenden Preis - also nichts wie los …

  • Dankeschön für die Komplimente, jetzt geht es aber erst mal Richtung Ungarn - mit einem Zwischenstopp in München und meine Partnerin hofft schon, dass sie auf der Durchreise im Ennstal die glücklichen Kühe begrüßen kann, der Winter ist ja jetzt am Ende ...


    Also nächste Woche geht es weiter, versprochen!