Ich habe hier mal einen Text rein kopiert, den ich woanders erstellt habe - vielleicht gefällt Euch die Geschichte:
Meine Beziehung zu den USA
Als Kind hatte ich kein großes Interesse an den USA - Coca Cola habe ich nur ein Mal probiert, es schmeckte abscheulich …
Da wir in der Französisch Besetzten Zone wohnten war meine erste Fremdsprache am Gymnasium natürlich Französisch und als zweite Sprache “musste” ich Latein wählen - ich war ja der Klassen-Primus. Englisch war mir also völlig fremd und es gab großes Gelächter seitens der Klassenkameraden als wir Schillers “Maria Stuart” lasen und ich irgendwie den Namen “Leicester” aussprechen wollte - hatte ja keine Ahnung.
Das änderte sich erst, als ich begann mich für Rock-Musik zu interessieren. Mein Vater kaufte ein neues Radio und ich bekam sein altes - mit UKW, da konnte ich den US-Soldatensender AFN empfangen, Böblingen war ja nicht weit weg. Ich ärgerte mich natürlich, dass ich nichts verstand und meldete mich für Englisch als dritte Fremdsprache an, das waren aber nur zwei Wochenstunden, also es ging sehr langsam voran.
Als ich dann die Science Fiction entdeckte, war es um mich geschehen. Erst las ich alles utopische in der Stadtbibliothek und bei meiner Tante in der Buchhandlung (in Deutsch) - Geld zum Bücherkauf war ja nicht vorhanden. Dann fand ich heraus, dass vom Amerikahaus in Tübingen regelmäßig Bücher an die Stadtbibliothek geliefert wurden - irgendwie waren da auch immer ein paar Krimis und SF dabei.
Als ich dann nach dem Abi zum Mathematik- und Physik-Studium an die Uni kam, gab es viel mehr Möglichkeiten:
Englische und US-Krimis im Original waren ziemlich billig, man konnte sogar Taschenbücher in USA bestellen bei meinem Lieblingsbuchhändler. Es dauerte zwar ein paar Wochen, aber bei einem Preis von 35 oder 50 Cent war das nicht so teuer.
So wurde mein Englisch immer besser, ich konnte sogar Mathe-Bücher und Artikel gut lesen, die Studentenkinos brachten klassische englische Filme im Original und die Amerikahäuser in Stuttgart und Tübingen hatten auch viel Stoff: Bücher und jede Menge Fachzeitschriften.
In den Ferien musste ich meine Finanzen natürlich mit Ferienarbeit aufbessern, zuerst beim Daimler und dann sagte mir ein Studienfreund, dass IBM auch Werkstudenten suchte. Bei der obligatorischen Prüfung habe ich wohl so gut abgeschnitten, dass ich gleich als “Consultant” zu Kunden geschickt wurde, wo alte Lochkarten-Experten mit der englischsprachigen Literatur für die damals neuen IBM Computer kämpften - da waren meine Sprachkenntnisse sehr nützlich. Eine Firma wollte mich gleich behalten, aber ich wollte natürlich erst mein Studium abschließen.
Dann kam der nächste große Schritt - ein Studienfreund und ich bekamen ein Stipendium für einen 4-wöchigen Englischkurs in den Sommerferien in Canterbury. Das war toll, ausnahmsweise auch gutes Wetter und wir lernten im Kurs zwei deutsche Mädchen kennen, denen wir zuerst nach London und dann noch eine Woche nach Brighton folgten. Meinen Vater habe ich antelefoniert, damit er mir per Post noch etwas Geld geschickt hat, sonst wäre das nicht gegangen.
Wir waren da übrigens sehr konsequent:
Auch wenn wir unter uns waren - der erste, der ein deutsches Wort im Gespräch verwendete, musste abends im Pub ein Bier ausgeben …
Ende der 60er Jahre habe ich dann mein Studium etwas “schleifen” lassen zugunsten von Politik und Rock-Musik bis ich im Sommer 1969 beim Organisieren eines Konzertes vom Assistenten meines Diplom-Vaters angesprochen wurde:
Wir gehen jetzt im Herbst alle in die USA, also wenn Sie Ihre Diplomprüfung noch machen wollen, müssen Sie sich beeilen …
Zum Glück hatte ich die Diplomarbeit schon abgegeben, also hieß es zwei Wochen lernen und dann stand ich mit der Note “sehr gut” als frisch gebackener Diplom-Mathematiker da - alleine …
Der Professor hatte mir noch einen Job als Hilfsassistent vermittelt, aber da gab es genau 444 Mark und 43 Pfennige netto - zu viel zum Sterben aber zuwenig zum Leben! Ich überlegte mir nun, mich bei IBM zu bewerben und als ich das bei Kartenspielen in der Kneipe einem Kumpel erzählte, meinte er: Komm doch zu uns, unsere Unternehmensberatung hat viele Diplom-Kaufleute aber keine Mathematiker und zu wenig Computer-Experten …
Wie ich dann akzeptiert wurde - das ist eine andere Geschichte … Jetzt geht es etwas schneller.
Damals waren die Chancen als Consultant enorm, ich kam bald zu einem bekannten Kreditinstitut, wo ich wohl bei den Managern einen sehr guten Eindruck gemacht habe - die holten mich oft und befragten mich zu allen möglichen Problemen. Der Chef der “Elektronischen Datenverarbeitung” rief mich eines Tages im Jahre 1984 zu sich und erzählte, dass er mit einer Gruppe von seinen drei Unterabteilungsleitern zu IBM nach USA zu einer Informationsreise eingeladen sei - ob ich nicht mitkommen wolle …
Da ich mir vorstellen konnte, wie teuer so etwas ist, zögerte ich mit der Antwort und er erklärte: Das wäre natürlich eine bezahlte Dienstreise für Sie - wir brauchen noch jemand mit sehr guten Englisch- und Computer-Kenntnissen, der als ein angemessener Gesprächspartner für die IBM-Leute auftreten kann …
Zwei Wochen quer durch die USA folgten. Da dieser Typ Reise noch zwei mal wiederholt wurde weiß ich nicht mehr genau, welche Orte wir bei der ersten Reise besucht haben, aber es könnte etwa so gewesen sein:
NYC mit Besuch bei einer der großen Banken in Manhattan und von dort nach Poughkeepsie zum IBM Hauptquartier, dann zu einer Fabrik im Staate NY.
Weiter nach SFO, ins Silikon Valley zur Software-Entwicklung und noch ein Abstecher nach San Diego.
Rückflug an die Ostküste/Florida: in Boca Raton wurde mit den Leuten von der IBM-PC-Entwicklung diskutiert. Von dort nach Washington zur Weltbank und zum Abschluss nochmals NYC (Das Hotel am Times Square mit der Riesenglashalle und dem gläsernen Aufzug - sehr beeindruckend). Die anderen flogen nach Hause während ich noch ein paar Tage dran hängte - bei einem LH-Business Class Ticket ja kein Problem, auch die Verlängerung im Hotel zum IBM-Zimmerpreis war recht günstig …
Einen erheblichen Teil dieser zeit verbrachte ich mit dem Einkauf von SF-Büchern im Forbidden Planet - ein dafür gekaufter und gefüllter zweiter Koffer war ja im Ticketpreis auch enthalten.
Ach ja:
Der Transfer von und nach Manhattan erfolgte per Hubschrauber - das war im Ticket inbegriffen …
PS:
Bei einer dieser Reisen hatten wir großes “Pech”: Wir sollten am Donnerstag von SFO nach LAX fliegen und am Montag weiter an die Ostküste -aber wegen eines kleineren Erdbebens war der Flughafen LAX gesperrt - der nächste erreichbare war dann Las Vegas, was wir mit einem Van ansteuerten (über Yosemite und Death Valley …). Normalerweise darf LAS natürlich nicht auf so einer Geschäftsreise angesteuert werden, es sei denn es findet gerade ein Kongress statt.