Everglades - Floridas Wasserwildnis; Sonntag, 5. Februar 3sat

  • Sonntag 5.Februar 20.15, 3sat
    Everglades: "Universum"-Doku über Floridas Wasserwildnis
    Die Everglades im Süden Floridas gehörten zu den imposantesten Landschaften der USA.


    Ein 6.000 Quadratkilometer großes Labyrinth aus Wasser und Vegetationsinseln mit einer außerordentlichen Artenvielfalt. Brian Armstrongs "Universum"-Dokumentation "Everglades - Floridas Wasserwildnis" zeigt in atemberaubenden Flugaufnahmen, wie dieses riesige Feuchtbiotop funktioniert. Und welche Schönheiten sich zwischen dem Okeechobee-See und den Mangrovenküsten am Südzipfel Floridas verbergen.


    Martin Mészáros hat den Film deutsch bearbeitet.


    Filmischer Streifzug durch die Wasserwildnis
    Die Everglades sind eigentlich ein bis zu 60 Kilometer breiter Fluss, der vom Okeechobee-See südwärts zum Meer strömt. Durch das geringe Gefälle fließt er allerdings sehr langsam, an manchen Stellen weniger als einen Meter pro Stunde. Die flache Geländeform sorgt außerdem dafür, dass der breite Strom oft nur wenige Zentimeter tief ist. Dadurch erhalten viele wasserliebende Pflanzen Gelegenheit, sich auf dem "Grasfluss" anzusiedeln und Lebensräume für Fische und eine unglaubliche Vielfalt von Wasservögeln zu bilden. Ganz zu schweigen von den Krokodilen und Seekühen, die sich in den küstennahen Regionen tummeln.


    UNESCO-Weltnaturerbe
    Zwar zählen die Everglades seit 30 Jahren zum UNESCO-Weltnaturerbe. Aber da sich der Nationalpark nur auf 20 Prozent der Fläche der ursprünglichen Feuchtgebiete erstreckt, ist der menschliche Einfluss überall merkbar. Drainagesysteme und Landwirtschaft graben dem einmaligen Feuchtbiotop langsam das Wasser ab: Ursprünglich flossen täglich 6,5 Milliarden Liter Wasser aus dem Okeechobee-See in Richtung Meer, heute werden 70 Prozent davon unterwegs abgezweigt.


    Folgen der Wasserknappheit
    Die Folgen sind dramatisch, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Diese Doku zeigt die vielen Facetten der Wasserknappheit. So graben Alligatoren in der Trockenzeit Wasserlöcher, um auch während der niederschlaglosen Monate auf Tauchstation zu bleiben. Solche Wasserlöcher dienen auch vielen Fischarten als Auffangbecken während der Trockenzeit. Mit den sinkenden Wassermengen werden diese Refugien seltener. Aber nicht genug, dass die Ressourcen knapper werden: Zierfische aus amerikanischen Aquarien verdrängen zunehmend die ursprüngliche Fischfauna der Everglades.


    "Viele Leute wissen nicht, dass die Kanäle in den urbanen Gebieten direkte Verbindungen mit der Wildnis haben", erklärt der Biologe Jeff Kline.


    Seekühe brauchen Süßwasser
    Ein Phänomen illustriert die Folgen der Wasserknappheit auf besonders berührende Weise. Seekühe leben eigentlich in Salzwasser, brauchen aber Süßwasser zum Trinken. Da der Süßwassernachschub stellenweise versiegt ist, suchen sie neue Quellen. Leider finden sie diese teilweise bei Ferienhäusern und Jachthäfen, wo sie von Schiffschrauben oft tödlich verletzt werden. Eine Seekuh, die versucht, einige Tropfen aus dem Abwasserschlauch einer Eismaschine zu erhaschen - wer dieses Bild gesehen hat, wird es wahrscheinlich niemals vergessen.


    Auch Alligatoren betroffen
    Auch den berühmten Alligatoren macht der Süßwassermangel zu schaffen. Sie schlüpfen auf Inseln, die von salzigem Wasser umgeben sind. Wenn sie sich zu lange im Meer aufhalten müssen, sterben sie. Sofort brechen die kleinen Alligatoren auf, um Süßwasser zu finden. Doch die entsprechenden Stellen sind durch den Wassermangel seltener und oft auch weiter entfernt.


    "Je länger sie unterwegs sind, umso unwahrscheinlicher ist ihr Überleben", sagt der Biologe Matt Brien: "Jeder will sie fressen: Watvögel, Adler, Habichte, große Fische."


    Riesenschlangen in der Sumpflandschaft
    Seit einigen Jahren machen sogar Riesenschlangen die Sümpfe unsicher und vergreifen sich an den örtlichen Baumwollratten, Watvögeln und Marschkaninchen. Manche der Netzpythons sollen sogar kleine Alligatoren verschlingen. Einige Exemplare dieser ursprünglich aus Asien stammenden Riesenschlangen sind offenbar ihren menschlichen Besitzern entkommen oder wurden in die Abflusssysteme der umliegenden Städte entsorgt. Von dort haben sie sich in die Everglades durchgeschlagen und dort inzwischen eine stattliche Population gebildet.


    Ökologische Reparaturmaßnahme bewilligt
    Wie dramatisch die Situation der Everglades ist, lassen die 7,8 Milliarden Dollar vermuten, die der Kongress im Jahr 2000 für die Wiederherstellung des Wasserhaushalts bewilligt hat. Das ermöglicht die teuerste ökologische Reparaturmaßnahme aller Zeiten, die zumindest 30 Jahre in Anspruch nehmen wird.