Hallo Leute, ![]()
Von 1919 bis 1933 war Alkohol in den USA gesetzlich verboten. Für die Mafia war die Prohibition ein großes Geschäft ![]()
Als der amerikanische Kultregisseur Roger Corman 1967 seinen zur Zeit der Prohibition spielenden Film "The St. Valentine's Day Massacre" in die Kinos brachte,
trug er damit nicht nur zum Comeback des Gangsterfilms bei. Er und Regisseure wie Sergio Leone ("Es war einmal in Amerika") oder Brian de Palma ("The Untouchables") prägten
danach auch unser Bild von jenen gut 13 Jahren, in denen in den USA offiziell kein Alkohol zu bekommen war ![]()
Wie die Amerikaner in jener Zeit freilich wirklich lebten, welche gesellschaftlichen Eruptionen das Alkoholverbot auslöste, das ist hierzulande weitgehend unbekannt.
Diese Lücke schließt nun Thomas Welskopp mit seinem Buch "Amerikas große Ernüchterung" (49,90 Euro). Und ahnte man schon, dass die Prohibition in den Vereinigten Staaten
zu einem ziemlichen Misserfolg geriet, so weiß man nach der Lektüre, dass alles noch viel schlimmer war als angenommen ![]()
Dabei hatten die Politiker, die 1919 das Alkoholverbot verabschiedeten, die besten Absichten vorgegeben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte
die "Abstinenzbewegung" in den USA immer stärker an Einfluss gewonnen; schon vor Inkrafttreten des achtzehnten Verfassungszusatzes 1920 waren daher weite Teile
der Vereinigten Staaten "trocken gelegt". An die Spitze der Abstinenzbewegung hatte sich die mächtige "Anti-Saloon-League" gestellt,
die nun auch die letzten Orte feuchter Fröhlichkeit, nämlich die städtischen Ballungszentren mit ihrem hohen Immigrantenanteil ausdörren wollte ![]()
Dabei ging es nicht nur um die Gesundheit - es ging auch um Macht. In einer diffusen Angst vor der anrollenden Moderne und dem Fremden an sich,
hatten viele den Alkohol und diejenigen, die ihn herstellten und tranken, als Bedrohung ausgemacht:
Der untere "weiße" Rand der Gesellschaft oder die angeblich durch Schnaps triebentfesselten Schwarzen boten die Feindbilder.
Die Einwanderkinder - biertrinkende Deutsche, Whisky liebende Iren, weinselige Süd(ost)europäer - galten den Temperenzlern als verloren.
Mit derlei Ressentiments munitioniert, gelingt es, das Alkoholverbot durchzusetzen und als 18. Zusatz in die Verfassung zu schreiben ![]()
Thomas Welskopp schildert, dass der meiste "Stoff", der den Amerikanern in den folgenden dreizehn Jahren buchstäblich in den Kehlen brannte,
"homemade" war - hergestellt in fahrbaren Kleinstdistillen zwielichtiger "Moonshiners" oder in halb-industriellen Anlagen bestens organisierter Banden.
So mancher stellte den Stoff auch selbst her - zum Beispiel mit "Bierpulver" oder mit sogenannten "Grape-Bricks", einem legal erhältlichen Traubenkonzentrat,
das mit Hilfe von Zucker, Wasser und vierzehn Tagen Geduld zu etwas Weinähnlichem vergoren werden konnte.
Mit der Illegalität veränderte sich auch das Trinkverhalten der Amerikaner. Zuvor moderate Bier- und Weintrinker, wandten sie sich zunehmend den harten Spirituosen zu.
Während der Prohibition gaben die Amerikaner genauso viel Geld für Alkohol aus - Umsätze, an denen der Staat keinen Cent Steuern verdiente ![]()
Unter den Immigranten der zweiten Generation sind aber auch die größten Gewinner der Prohibition zu finden. Erst das Alkoholverbot erlaubt jugendlichen Gangmitgliedern und Kleinkriminellen in den Ghettos einen kometenhaften Aufstieg in der Halbwelt des organisierten Verbrechens, das den Alkoholhandel samt aller lukrativen Nebengeschäfte schon nach kurzer Zeit nahezu vollständig beherrscht. Die enormen Gewinnspannen, die das illegale Geschäft abwarf, machte die Gangster zu stilbildenden Ikonen des "Jazz-Age". Kaum einer unter ihnen, der nicht im Maßanzug mit Seidenkrawatte zum Abkassieren erschien.
Eine 1930 von der Zeitschrift "Literary Digest" initiierte Meinungsumfrage, bei der 20 Millionen Stimmzettel an US-Haushalte verschickt wurden, ergab,
dass die Bürger von der verordneten Abstinenz genug hatten. 1932 spricht sich Präsidentschaftskandidat Franklin D. Roosevelt klar gegen das Alkoholverbot aus -
und gewinnt die Wahl haushoch. Im Dezember 1933 wird die nationale Prohibition aufgehoben
Quelle: http://www.welt.de
Servus, klaus54 ![]()