USA Hochzeitreise, ein katastrophaler Urlaub!

  • Werte Gemeinde!


    Wer dachte, dass ich auf meiner Männertour im Südwesten 2010 :modedit: der Link wurde entfernt, da nicht gewünschte Werbung :modedit: Pech mit dem Wetter hatte, der sollte unbedingt diesen Bericht lesen. Dagegen
    war der Regen im Südwesten 2010, Morgenreif vor Alm- Öhis Hütte!


    Die Reise ist ja nun schon sieben Jahre her und ich bekomme
    bestenfalls nur noch Stückweise irgendwas zusammen, doch einige Sachen haben
    sich absolut eingebrannt. Ich denke, wer so was mal erlebt hat, der kann auch
    30 Jahre danach die Dinge niederschreiben. Wie gesagt, ich bekomme nur noch die
    elementaren Sachen hin und kann daher auch nicht tageweise schreiben. Ich
    schreibe einfach chronologisch der Reihe nach alles nieder und hoffe, dass ich
    nun genug Spannung aufgebaut habe.



    August 2004


    Die letzten Vorbereitungen.


    Es war Freitagabend und ich packte die letzten Dinge für
    unsere Florida Rundreise. Yvonne, meine Frau, hatte schon alles gepackt und war
    zur Vorstandssitzung ihres Vereines gefahren, letzte Besprechungen vor unseren
    Flitterwochen. Morgen früh um 11 Uhr würde unser Flieger (ab Frankfurt)
    nach Miami gehen. Alles lief nach einer Traumhochzeit nach Plan, bis ich die
    Reisepässe als letztes verpacken wollte.



    22:15 Uhr, Freitagabend.


    Eher durch Zufall schaute ich „nochmals“ in beide Pässe und
    feierte mich, als ich sah, dass ich Yvonnes alten Pass erwischt hatte. Den, den
    ich in der Hand hielt, der war seit einem Jahr abgelaufen und ich war froh,
    dass ich es bemerkt hatte. Da ich den neuen Pass nicht fand, rief ich Yvonne an und
    fragte, wo denn ihr neuer Pass sei… Sie antwortete mit zwei Wörtern: “Welcher Neuer?“
    Herzstillstand, Milzriss und zuckendes Auge waren die Folge. Ich musste mich
    setzen, mir war schlecht. Noch bevor ich wieder Fassung erlang kam Yvi nach
    Hause. Sie hatte ebenfalls Schockstarre! Das kann doch nicht sein!!! Wir hatten
    BEIDE die Pässe im Vorfeld geprüft, ich war mir zu 100% sicher.



    23:00 Uhr


    OK, Ruhe bewahren! Was tun? Wir hatten noch genau 12 Stunden
    bis zum Abflug! Meine erste Spontanidee war es, den Bundesgrenzschutz am
    Frankfurter Flughafen anzurufen um zu erfragen, welche Möglichkeiten es noch
    gibt. Ich versuchte es einmal, zweimal, dreimal…. Nichts, keiner nahm ab!




    1:30 Uhr


    2,5 Stunden versuchte ich den Grenzschutz zu erreichen,
    niemand nahm ab. Yvonne und ich kamen uns überein, dass es wohl nicht sein
    solle und wir beschlossen, nun ins Bett zu gehen und morgen spontan irgendwas
    last Minute zu buchen. Sche… auf das Geld, es war unsere Hochzeitsreise und
    innerhalb Europa brauchten wir keinen Reisepass. Völlig aufgelöst ging Yvonne
    zu Bett und ich drückte beim vorbeigehen zum 1000x auf Wahlwiederholung.
    Ich hatte gerade die Zahnbürste im Mund, da hörte ich
    plötzlich im Wohnzimmer: „Bundesgrenzschutz Frankfurt, was kann ich für sie
    tun?“. Ich rannte zum Telefon und schöpfte während dessen neue Hoffnung.
    Nachdem ich mein Problem erläutert hatte, stelle ich die entscheidende Frage:
    “Kann ich mir am Frankfurter Flughafen einen grünen, vorübergehenden Reisepass
    ausstellen lassen?“ Die Antwort lautete: „JA, ABER!“. ABER??? Was soll das heißen, aber???? Mir wurde erneut
    schlecht! „Sie können sich auf dem Frankfurter Flughafen vorübergehende
    Reisepässe für die ganze Welt ausstellen lassen, nur für ein einziges Land
    NICHT… den USA!“.




    2:00 Uhr



    Es täte ihm leid, aber mehr könne er nicht machen. Aber
    immerhin könnten wir froh sein, dass wir überhaupt noch die Möglichkeit hätten,
    mit dem grünen Pass einzureisen. Das ginge von heute an genau nur noch vier
    Wochen. Danach gibt es keine andere Chance mehr, ohne lila Reisepass
    einzureisen. Toller Trost! Wir hatten kurz nach 2 am Samstagmorgen. In neun
    Stunden geht der Flug, in sechs Stunden müssen wir eigentlich am Flughafen
    sein. Wie komme ich in dieser Zeit noch an so einen verfluchten Pass??? Der
    Bürgermeister!! Ich rief den Bürgermeister an, die Zeit war mir egal,
    schließlich wollte er ja wiedergewählt werden!



    Fortsetzung folgt….

  • Fortsetzung...


    2:20 Uhr


    Heinz- Rudi zeigte vollstes Verständnis und gab mir drei Telefonnummern von Damen, die auf dem Amt arbeiteten und Reisepässe ausstellen durften.
    Die ersten beiden Damen gingen nicht ran. Nummer drei hingegen war eine junge Dame, die gerade ausgelernt hatte und die sofort hell wach war und auch sofort geholfen HÄTTE!
    „Ich würde ihnen sehr gerne helfen, würde auch jetzt sofort zum Amt fahren und ihnen den Pass ausstellen, ABER…… das Amt ist dank der Postfiliale Zeitgesichert. Im Klartext: Ich komme erst rein, unmittelbar bevor die Post auf macht, und das ist um 8 Uhr.“


    8 Uhr


    Wir standen seit 10 Minuten vor dem Amt und warteten. Es sind noch drei Stunden bis zum Abflug im 100km entfernten Frankfurt. Eigentlich mussten wir schon da sein. Ich hatte keine Sekunde geschlafen und war völlig down. Nervlich wie körperlich ging es mir gerade nicht besonders gut. Punkt 8 Uhr machte das Amt auf und wir düsten gleich in das Büro der netten Dame von letzter Nacht. Sie hatte alles schon vorbereitet, es musste nur noch dass Passbild (welches wir Gottlob noch hatten) einkleben, Stempel drauf und ab. Ich drückte ihr 50€ Trinkgeld in die Hand und hätte sie vor Freude am liebsten gedrückt, aber dafür war keine Zeit! Sie weigerte sich zwar das Geld anzunehmen, hatte aber keine Chance mehr, es zurück zu geben.
    Um fünf nach acht saßen wir in Vadders Auto auf dem Weg nach Frankfurt.


    9:30 Uhr


    Es klingt total bescheuert, aber vor lauter Stress und Nervosität düste Vadder um 9:30 Uhr an der Autobahnausfahrt „Airport“ vorbei.


    9:50 Uhr


    Über Umwegen erreichten wir Terminal 1. Natürlich mussten wir aber, wie wir jetzt erfuhren, zu Terminal 2. Im Laufschritt und mit einem unendlich langsam erscheinenden Shuttelbus kamen wir kurz nach 10 am Check In an.
    Der Schalter sollte gerade geschlossen werden, aber man hatte wohl Mitleid, als man uns sah und wir checkten als letztes ein. Wir hätten vor Freude heulen können, mimten aber die Coolen. :D


    Non Stopp ging es ohne Probleme nach Miami. Nun war ich endlich da! Das erste Mal in den USA! Es war 3 Uhr morgens als wir ausstiegen. Drückende, schwüle Luft füllte den Raum. Vor der Passkontrolle bildeten sich extrem lange Schlangen und wir mussten ewig warten, bis wir endlich an der Reihe waren. Ein dicker, dunkelhäutiger Beamter nahm unsere Pässe und tippte irgendwas in seinen Rechner. Es dauerte Minuten bis er irgendeine Regung zeigte. Wie im Tennis sah er auf die Pässe und auf den Monitor. Immer hin und her. Ihn machte wohl das "heutige" Ausstellungsdatum des Passes stutzig. Ich war unendlich nervös. Nach gefühlten 5 Minuten fragte er schließlich ob wir schon mal in den Staaten gewesen wären. Yvi bejahte die Frage und sagte, dass sie schon mal im Südwesten gewesen war. Auch die Frage, ob es ihr gefallen hätte „da im Südwesten“, bejahte sie. Die Miene des Beamten wurde noch finsterer und er fragte erneut, ob sie sicher sei, dass es ihr gefallen hat „da im Südwesten“. Diesmal war Yvi auf Zack und meinte lapidar, „Nö, Florida sei mit Sicherheit viel schöner und auch die Leute sicherlich netter“. Auf Anhieb schlug der Beamte die Pässe zu, reichte sie uns wieder und winkte uns Kommentarlos durch die Kontrolle. Das war bis heute die verrückteste Zollkontrolle, die ich je erlebt hatte.
    Nachdem wir unsere Koffer aufgenommen hatten, verließen wir das Flughafengebäude. Laut unseres Reiseführers sollten wir uns vor dem Flughafen ein Sammeltaxi in die Stadt nehmen. Keine fünf Minuten später saßen wir mit acht weiteren Personen in einem Dogde Bus. Als die Türen zu waren, drehte sich der Fahrer um und erkundigte sich von Person zu Person, zu welchem Hotel sie gebracht werden möchten. Wir saßen in der letzten Reihe und wurden auch als letztes gefragt. Passend zu unserem bisherigen Glück schaute der Fahrer uns wie ein Reh im Fernscheinwerferlicht an, als er unsern Hotelname in Miami Beach hörte. Wie?? Nie gehört sagte er, drehte sich um und fuhr los. Völlig aufgelöst fragte ich Yvi, ob ich das gerade richtig verstanden hätte. Sie bejahte, wusste aber nicht, was der Fahrer danach gemurmelt hatte. Die Fahrt führte von Hotel zu Hotel und der Bus leerte sich rasch. Irgendwann blieben zwei betröppelte Personen übrig und das waren wir. Wie kann das sein?? Unser Hotel gibt es nicht? Der Fahrer meinte, er würde seit 30 Jahren Taxi fahren, der Name wäre ihm aber noch nie unter gekommen. Trotz alledem, fuhr er weiter und bog irgendwann am Ocean Drive in eine Hoteleinfahrt ein. Das könnte in Frage kommen, die würden ständig den Namen wechseln, sprach´s und machte sich aus dem Staub.


    Fortsetzung folgt....

  • Mit flauem Gefühl gingen wir ins Hotel und konnten es gar nicht glauben, dass man uns tatsächlich erwartete. Wir waren richtig! Unglaublich! Und wieder wäre ich gerne der Dame um den Hals gefallen.
    Wir hatten in diesem Hotel nur diese eine (Rest)Nacht. Morgen früh würde ab hier unsere Rundreise beginnen. Das war der Grund, weshalb wir unbedingt unser Hotel finden mussten. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätten wir ja auch wo anders absteigen können.
    Apropos Rundreise! Als wir mit dem Einchecken fertig waren, fragten wir, wann und wo denn morgen unsere Rundreise hier starten würde.
    Mit Augen, so groß wie Bratpfannen schaute die Dame uns an und meinte trocken: „Welche Rundreise?“ Peng! Natürlich! Warum sollte auch mal was klappen??? Wir erklärten, redeten und versuchten, die Dame zu animieren, vielleicht irgendwo mal anzurufen und das für uns zu klären. Nach zehn Minuten geschah dann das schier unglaublichste! Eine Oma, jenseits der 70 im Dienstdress des Hotels, schrubbte hinter uns den Eingangsbereich. Die Gute hatte solch ein Buckel, dass es schon beim hingucken weh tat. Als sie im Schneckentempo hinter uns her wischte, glaubte ich meinen Ohren nicht: „8 a.m. here!“ krächzte sie, ohne aufzugucken hervor und verschwand um die Ecke. Hollywood lässt grüßen! Was hatte die gesagt?? Das kann doch nicht sein, dass das Omilein das wusste und sonst keiner!?
    Was hatten wir für eine andere Chance, als auf die Oma zu hören. Wir gingen auf`s Zimmer und hauten uns, total aufgewühlt, noch drei Stunden hin.


    Punkt sieben gingen wir runter zum Frühstücksbuffet. Wir waren alleine. Nur Yvi und ich. Ob das sein kann? Die Ruhe hielt jedenfalls nicht lange an. „Ey Ollen, watt is datt dann hey??? Datt klöven ich nätt! Tu mir ma datt Ei offen!“ erschallte es hinten aus einer uneinsehbaren Nische. „Hasse die Dicke gesehn, die Schachtel hatte ne Wampe wie ähn Wallllross, woll!“
    Noch bevor wir sie sehen konnten, hatten sie uns entdeckt. „Morje zusamme, ach nä, mir sin jo im Amiland, da schwätzt man jo Amiländisch! Good mornig, woll!“ Wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen und outeten uns schnell als Deutsche. Das „nette“ Paar, Mittfünfziger aus Castrop- Rauxel kam gleich auf den Punkt und erzählten uns, dass sie um 8 Uhr eine Rundreise von hier aus starten würden… HAPPY HOLIDAY!


    Es wurde schließlich 8:30 Uhr. Mittlerweile standen wir zu sechst in der Lobby als endlich unser Tour Guide, Serge kam. Zwei weiter Personen befanden sich im Bus und die Gruppe war komplett.


    Nach der Vorstellung fuhren wir erstmal nach Miami Downtown in einen kleinen Supermarkt, um Proviant für die Reise zu kaufen. Es war so unerträglich schwül, dass man es außerhalb des Busses kaum aushalten konnte. Ich schwitze wie noch nie in meinem Leben (ohne Sport zu machen!). Wir machten eine Stadtrundfahrt bevor wir die Tour starteten. Serge, der Reiseleiter sprach relativ gut deutsch. Er hatte sogar in Kerpen, unweit von Michael Schumachers Kardbahn ein Cafè, welches er einmal im Jahr zur Kontrolle besuchte. Serge machte kein Hehl daraus und sagte uns gleich die bittere Wahrheit ins Gesicht. „Leute, es tut mir leid, aber wir werden wohl die Tour hier und da nicht richtig einhalten können, Hurrikane Charley nimmt vollen Kurs auf unsere Tour!“. Betretene stille im Bus. „Hörrikänn, watt? Hömma von sonem Windchen hab ich doch kähn angst, woll!“ schallte es plötzlich von hinten rechts. Es sollte der erste Hurrikan der Saison werden...


    Die erste Etappe führte uns nach Key West. Das Wetter war klasse, blauer Himmel und heiß. Wir kamen nachmittags an und hatten den Rest des Tages „Freigang“. Der erste Weg führte zu Burger King. Hier lernte ich erstmals, was „King Size“ heißt. 1,5 Liter Cola galt es zu vernichten und neben einem riesen Burger gab es noch eine Schubkarre voll Pommes dazu.
    Mit dem Bus führen wir zum südlichsten Punkt. Hier wurden die obligatorischen Bilder am „90 Milen bis Kuba Stein“ gemacht.
    Das Wetter wurde schlechter. Je länger der Tag dahin ging, umso mehr wurde man mit dem Thema Hurrikane konfrontiert.
    Am Abend ging die ganze Truppe zusammen Essen und anschließend ins Bett.


    Der zweite Tag unserer Rundreise führte uns zu den Everglades….


    Fortsetzung folgt…